Dazwischen ist alles
Bewegt durch Naturbetrachtungen suche ich eine Bildsprache, die abstrahiert und sowohl das Wesenhafte als auch das Körperhafte in den Focus stellt. Grundlage meiner Arbeit ist der Schwebezustand, in dem etwas „nicht mehr“ oder „noch nicht“ vorhanden ist. Prozesse der Transformation, des Wandels und des Übergangs.
In der malerischen Umsetzung ist mir die Farbe wichtigstes Element. Nach der bewussten Auswahl der Farbpalette arbeite ich assoziativ, trage in mehreren Schichten auf, übermale und verwerfe. Orientiert nur daran, was der Bildprozess erfordert. Dieses Vorgehen wechselt in der Methode mit der Auseinandersetzung über die Verdichtung und Auflösung von Farbe.
In der in 2018 entstandenen Serie „Rot-Grün“ habe ich das Spannungsfeld einander gegenüberliegender und sich zugleich ergänzender Farbqualitäten untersucht. Von komplexen Naturstudien motiviert, stehen die Ergebnisse durchaus in gewollter Anlehnung an das Landschaftliche. Schwebende Farbschichten überlagern und durchdringen sich, fügen sich zu unscharfen, weichen Gebilden, oszillieren in unterschiedlichen Farbtönen. Sie verdichten sich in Linien und gestischer Bewegung.
Die Farbe und die Plastik finden meine Aufmerksamkeit in ihrer Bipolarität. Sie fordern diesen inneren Wechsel einfach heraus. Im Plastischen steht die klare Definition des Körpers im Vordergrund. Seit Ende 2017 arbeite ich bevorzugt mit verschiedensten Kunststoffen, die zu elementaren Erfahrungen in der Masse führen. Bedürfen die Objekte anfangs noch einer Farbgebung und eines künstlerischen Oberflächenduktus, so reduzieren sich die nachfolgenden plastischen Arbeiten auf ein materialbedingtes Erscheinungsbild der Oberfläche. Sichtbar werden hybride Wesen, die durch die konsequente Reduktion in der Formensprache biologisch festgesetzte Grenzen der Lebensformen aufheben. Biomorphe, fragmentarische Gestalten verharren in einem existentiellen Zwischenbereich und erzählen von einer Dynamik der Metamorphose.
Helga Erlenkötter